Sommer 2018

Ein Praktikum in Ghana

"Meine Reise nach Ghana startete Mitte Juli am Frankfurter Flughafen. Nach der gut 13-stündigen Reise über Istanbul, landete ich mit zwei Stunden Verspätung am Flughafen in Accra. Ich hoffte sehr, dass Abigail, die mich dort abholen sollte, die Hoffnung nicht schon aufgegeben hatte, dass mein Flieger noch landen würde. Es war immerhin schon 21 Uhr. Doch diese Sorge verflüchtigte sich für einen kurzen Moment, als ich aus dem Flugzeug trat und die mir so vertraute, feuchte, erdig-rauchige Luft entgegen kam. Wow! Die Erinnerung war nach drei Jahren sofort wieder da. Genau so riecht Ghana! Ich kann den Geruch schwer beschreiben, aber bei mir stellte sich sofort ein unglaubliches Glücksgefühl ein. Endlich wieder zurück! Mein Hoffen war nicht vergebens: Nachdem ich die Kontrollen hinter mir gelassen und mein Gepäck eingesammelt hatte, dauerte es nicht lange, ehe Abigail draußen vor dem Flughafengebäude aus der Menge der wartenden Leute auf mich zu kam. Ein Uber-Taxi war nach einigen der hier üblichen Preisverhandlungen organisiert und wir fuhren etwa eine Stunde lang, raus aus dem nächtlichen Treiben der Stadt, nach Kokrobitey. In diesem kleinen Ort an der Küste liegt das Institut, in dem ich die folgenden drei Wochen verbringen darf. Was für eine wundervolle Anlage das ist, durfte ich dann am nächsten Morgen bei Tageslicht herausfinden.

 

Geweckt wurden wir am Morgen vom Trommelklang. Gemeinsam mit einer Gruppe von Studenten aus Amerika, ging es zum Frühstück. Raus aus meinem Zimmer, vorbei an den anderen zwei Gebäuden mit den Schlafräumen, sah ich zum ersten Mal die tolle Gartenanlage, wo verschiedenes Gemüse angebaut wird und dann … das Meer! Quasi direkt am Meer war ein wirklich wunderbares Frühstück aufgebaut. Frische Früchte, Haferbrei, Pfannkuchen, ja sogar French Toast gab es einmal. Nach der Stärkung wurde gemeinsam in den Tag gestartet. Dazu sammelten wir uns auf einer Wiese mit Blick aufs Meer. Es wurde eine kleine Ansprache gehalten, ein ghanaisches Symbol erklärt und wer mochte, durfte erzählen, womit er diese Symbolik verbindet. Die Stimmung war sehr positiv und entspannt. Der Tagesablauf wurde besprochen und auch ich durfte in den kommenden drei Tagen noch einen kleinen Einblick in die Workshops bekommen, die hier angeboten werden.

Doch viel wichtiger war zunächst ein Besuch in der Schule der Arise Foundation. Abigail holte mich ab, um mich dorthin zu begleiten. Leider musste ich vor Ort feststellen, dass es an allem fehlte! All die so wichtigen Anschaffungen waren fort. Geklaut, weil es keine Möglichkeit gibt, die Schule abzuschließen. Die Lehrerinnen hielten den Schulbetrieb dennoch aufrecht. Mit lediglich sieben Schulbänken, einigen kleinen Plastikstühlen, einem Tisch der beiden Klassen als Lehrerpult dient, zwei großen Stühlen und einer ramponierten Tafel, etwas Schulmaterial und ohne Lehrplan. An letzterem wollte ich während meiner Zeit gerne mit den Lehrerinnen und in Kooperation mit dem Institut arbeiten, doch wie es in Ghana so oft der Fall ist: Es kommt eben anders, als du denkst und oft musst du zwei Gänge zurück schalten. Doch, dass sie dort mit so viel weniger arbeiten bzw. lernen müssen, als ich erwartete, überraschte mich sehr. Allerdings kannte ich dies aus anderen ghanaischen Schulen bereits und so änderte ich mein Vorhaben: Die Schule braucht zunächst einmal Einrichtungsgegenstände und Schulmaterial. Dies zu besorgen war nun möglich, weil der Arise e.V. bereits ein neues Gebäude angemietet hatte, das abgeschlossen werden konnte. Hier können die Dinge, die gebraucht werden eingeschlossen werden. Nach den Sommerferien, wird dann auch der Unterricht im neuen Gebäude stattfinden.

 

 

Von einem lieben Freund hatte ich im Vorfeld eine Geldspende für die Kinder bekommen. Hiervon besorgte ich mit Abigails Unterstützung zwei große Schlafmatten, damit die Kleinen ihr Mittagsschläfchen nicht länger auf dem harten Boden machen müssen. Außerdem konnten wir in der knappen Zeit noch Schuluniformen für jedes der Kinder von der Spende organisieren. Für einige Unterhaltung sorgten dann auch immer wieder die Spenden zweier deutscher Schulen, die ich in einem Koffer mitnehmen und nach und nach überreichen konnte. Insbesondere die Spielsachen für die Kinder (u.a. ein Kaleidoskop und ein 3D-Buch) wurden von den Lehrerinnen genauestens unter die Lupe genommen, bevor die Kinder sie bekamen! Auch auf zahlreiche Rechenplättchen, Rechenspiele und anderes Unterrichtsmaterial können sie nun nach den Ferien zurückgreifen. Außerdem müssen jetzt noch weitere Tische und Stühle, Tafeln, Schulbücher, Stifte, eine Uhr und einiges andere organisiert werden, damit der Schulunterricht im September nach den Ferien wieder vernünftig aufgenommen werden kann. Hierzu wäre es allerdings auch extrem wichtig, wenn die Lehrerinnen sich mit einem Lehrplan auseinandersetzen könnten und Unterstützung beim Erarbeiten eines Konzeptes erfahren würden. Dies sollte unbedingt auch in Kooperation mit dem Institut geschehen, weil die Schule dort ja in der Zukunft angegliedert werden soll. Ein tolles Projektvorhaben für weitere Praktikanten :)

Als ich vor Ort war, konnte ich mir das Grundstück direkt neben dem zum Institut gehörenden Design Center anschauen. Die direkte Nähe bietet enorme Möglichkeiten. Zum Einen wird das Institut mit seinem Garten und den vielen Pflanzen heute schon für kleine Unterrichtseinheiten mit Schülergruppen genutzt (ich durfte an einer lustigen Pflanzenkunde-Ralley teilnehmen). Zum Anderen würde die Schule von den Ideen der Leiterin des Institutes Renee Neblett und ihren Mitarbeitern profitieren. Sie entwickeln zum Beispiel Schulutensilien aus recycelten Materialien. So könnte die Schule auf die lange Sicht einen großen Beitrag in Kokrobitey leisten, was beispielsweise  Umweltbewusstsein und Ressourcennutzung betrifft. Auch liegt Renee viel an einer kritischen Denkweise, zu der die Schülerinnen und Schüler hier zweifelsohne motiviert werden würden. Auch ein wichtiger Aspekt, wenn man bedenkt, wie üblicherweise in Ghana unterrichtet und gelehrt wird. Nämlich leider zumeist begleitet von Angst vor dem Stock und durch das Auswendig lernen, ohne irgendetwas zu hinterfragen. Vielleicht könnte diese Schule auf die lange Sicht sogar Lehrerinnen und Lehrer aus der Umgebung zum Hospitieren einladen, um langfristig im ganzen Ort das Lernen zukunftsorientierter zu gestalten. Es gibt noch viele interessante Aufgaben und ich wäre so gerne mit noch mehr Zeit nach Ghana gereist. Ich denke, das Schulprojekt kann ganz großartig werden und es könnte mit Hilfe des Kokrobitey Institutes auch den Menschen in Kokrobitey zahlreiche Vorteile bringen, wie zum Beispiel eine sauberere Umgebung durch Umweltprojekte oder gewaltfreie Erziehung an Schulen durch Workshops und Hospitationen.

 

Wenn ich allein träume, ist es nur ein Traum. Wenn wir gemeinsam träumen, ist es der Anfang der Wirklichkeit. 

Nach dieser eindrucksvollen Reise bleibt nun bei mir der Wunsch, so bald wie möglich wieder zurückfliegen zu können, die tollen Projekte des Arise e.V.s und des Kokrobitey Institutes weiter unterstützen zu dürfen und die Erkenntnis, dass mich das Land ein weiteres Mal tief berührt hat mit seinen Menschen, der Musik und der staubigen, warmen Luft."

 

von Stephanie Franke

Ein herzliches Dankeschön für Dein Engagement & die großartige Unterstützung vor Ort!!!

März 2016

Keep on moving

Es war wieder eine besondere und erlebnisreiche Zeit, die wir im März in Ghana verbracht haben. Dank der Unterstützung aus Deutschland konnten verschiedene Projekte organisiert und verwirklicht werden, die sehr wichtig waren um zum einen einen besseren Schulalltag zu ermöglichen und zum anderen um das ganze Projekt weiter vorwärts zu bringen.

Durch die Spendengelder konnten zuerst einmal die laufenden Kosten wie Mietkosten, Gehälter und sonstige Kosten (wie z. B. für das Befüllen des Wassertanks) gedeckt werden. Dies ist natürlich für das erfolgreiche Fortbestehen der Schule ein essentieller Aspekt. Des Weiteren wurden diverse Anschaffungen getätigt. Unter anderem verfügt die Schule nun über eine Tür und eine kleine abschließbare Lagermöglichkeit, so dass Gegenstände & Materialien sicherer in der Schule verwahrt werden können. Zum Beispiel haben die Kinder als Willkommensgruß ein eigenes Heft & einen Stift bekommen, die sie nun in der Schule lassen können und auch Spielmaterialien und Küchenutensilien können hier verstaut werden. Außerdem wurde eine Schuluhr angeschafft, so dass der Schulalltag geregelter ablaufen kann.

Wir haben vor Ort nun endlich eine Kochstelle einrichten können. Vorher gab es kaum die Möglichkeit für über dreißig Kinder zu kochen. Nun gibt es einen Gaszylinder, der an zwei Kochstellen angeschlossen ist sowie Tische, die als Arbeitsfläche dienen. Zudem gibt es große Töpfe, Waschschalen & Handtücher, Geschirr, Schneidebretter etc. 

Neben der Küche haben wir auch weitere Sitzgelegenheiten für die Kinder angeschafft, u. a. zwei Schreibpulte und diverse Stühle, damit sowohl die kleineren Kinder als auch die etwas Älteren eine bessere Lernatmosphäre haben. Außerdem wurde organisiert, dass der Müll in Zukunft abtransportiert wird. Dieser konnte zuvor nicht adäquat entsorgt werden. Dies lag uns sehr am Herzen um bei den Kindern ein besseres Umweltbewusstsein zu stärken. 

Unsere Helfer vor Ort sind auch nicht tatenlos. Inzwischen wurde das Zertifikat ausgehändigt, dass unsere Schule in Ghana offiziell bestehen darf. Außerdem wurde ein Besuch in einer Highschool organisiert, um dort das Projekt vorzustellen und weitere Ideen zusammeln. Dank Ronald, der seit dem ersten Tag das Projekt mitbetreut, haben wir ein neues Team-Mitglied. Mr. Samuel ist Pfarrer in Accra und hat vor zwölf Jahren eine eigene Schule gegründet, in der er Kindern den kostenfreien Schulbesuch ermöglicht. Diese Schule durften wir auch einen Tag besuchen, was bei uns einen bleibenden Eindruck machte und viele konkrete Projektideen aufkommen ließ. Desweiteren war es uns wichtig die Eltern der Schüler kennen zu lernen. Dieses Treffen war ebenfalls sehr bereichernd und trotz Sprachbarrieren sehr konstruktiv für das ganze Projekt. 

Dies sind alles große Fortschritte für unsere kleine Schule. Natürlich gibt es nach wie vor noch viele Dinge, die zu tun sind und einiges, was noch fehlt und verbesserungswürdig ist. Wir sind aber sehr dankbar für das, was schon alles auf die Beine gestellt werden konnte und es wirklich toll ist, was Dank Euch allen bisher passiert ist und bereits verwirklicht werden konnte. Hoffentlich geht es weiter so!!!

Ein großes Dankeschön an euch Alle!!!

Sommer 2015

... in Ghana

Etwas Großes fängt immer ganz klein an. Man muss den Dingen Zeit geben zu wachsen...

Im Juli & August waren wir wieder in Ghana und sehr gespannt darauf, was uns vor Ort erwarten würde. Zu unserer großen Freude haben sich die Dinge vor Ort positiv entwickelt und der Schulbetrieb wurde aufrechterhalten und läuft in erkennbar regelmäßigeren Bahnen als bei dem letzten Besuch. 

Dank der gesammelten Spenden war es möglich einige Vorhaben in die Tat umzusetzen: Die Wände wurden blau gestrichen, mit Lernplakaten geschmückt und Tische & Stühle bei einem Tischler vor Ort hergestellt, wo nun zusätzlich 12 bis 15 Kinder einen Platz haben. Zudem wurde ein dringend benötigter Wassertank gekauft, installiert und befüllt, so dass die hygienische Zustände verbessert sind und auch Trinkwasser zur Verfügung steht, was ein sehr großer Fortschritt ist. 

Auch das Registrierungsverfahren der Schule konnte ins Rollen gebracht werden: nötige Formulare wurden ausgefüllt und sind bei dem zuständigen Registrar Departement in Accra in Bearbeitung. 

Ganz herzlichen Dank an alle, die dies mit möglich gemacht haben!!!